KONTAKT

Vorbereitung auf die nachsportliche Karriere (Teil 2/3)

Im ersten Teil der Blogreihe zum Thema „Vorbereitung auf die nachsportliche Karriere“, ging es um den Zeitpunkt sowie die Planung.  Im zweiten Teil möchten wir Ihnen nun aufzeigen, dass die Vorbereitung keinen negativen Einfluss auf die aktive Karriere hat und weshalb man bereits währenddessen seine Berufs- und Ausbildungsziele sowie sozialen Kontakte in einem gewissen Masse pflegen sollte.

Sinclair verdeutlicht, dass Athleten und Athletinnen während der leistungssportlichen Karriere die Tendenz zeigen, einen grossen Part ihres Lebens für das Training und Wettkämpfe aufzuwenden. Diese zeitlichen sowie persönlichen Verpflichtungen können ein Ungleichgewicht im Leben von Athleten und Athletinnen bewirken. Eine tendenziell hohe sportive Identifikation generiert wenige nichtsportliche Fähigkeiten, was zu wenigen Optionen und zu Assimilationsproblemen nach dem Karriereende führen kann. Sinclair betont aus diesem Grund den Stellenwert eines Sinns von Ausgewogenheit sowie der Planung des nachsportlichen Lebens während der sportlichen Karriere. Deshalb sollten Berufsziele, Ausbildungsziele und soziale Kontakte in einem gewissen Mass schon während der sportlichen Karriere gepflegt werden. Bei sportpsychologischen Eingriffen während der sportlichen Laufbahn kommt erschwerend hinzu, dass sich viele Athleten und Athletinnen während ihrer aktiven Zeit im Leistungssport nicht mit der nachsportlichen Zeit befassen wollen (zit. nach Sinclair & Orlick).

Anderson & Morris verdeutlichen mittels einer Literaturübersicht sowie praktischer Erfahrung, dass die Erfordernisse von Entwicklungsprogrammen für Athleten und Athletinnen in den letzten 20 Jahren in vielen Ländern (Kanada, Grossbritannien, USA, Australien) ins Bewusstsein traten und realisiert wurden. Die Programme umfassen die Entwicklung von ausbildungstechnischen, beruflichen, finanziellen sowie persönlichen Entwicklungskontexten. Es wird dabei versucht, mithilfe eines proaktiven Zugangs ein Gleichgewicht zwischen sportlicher Karriere und Ausbildung/Beruf zu generieren, wodurch die sportliche und die langfristige persönliche Entwicklung der Athleten und Athletinnen unterstützt werden. Die Autoren verdeutlichen, dass die Häufigkeit der Programme in einem Grossteil der Länder nicht ausreichend ist. Diese Annahme kann auf die häufige Auffassung von Trainern und Trainerinnen und anderen, die im Sport involviert sind, zurückgeführt werden, dass Entwicklungsprogramme, die Athleten und Athletinnen davon abhalten, eine gute sportliche Leistung zu erbringen und Athleten und Athletinnen restliche Ressourcen nicht in erster Linie in die Planung des nachsportlichen Lebens stecken wollen (Anderson & Morris).

Die Planung der nachsportlichen Karriere lenkt während der sportlichen Karriere die Athleten und Athletinnen nicht davon ab, gute sportliche Leistungen zu zeigen. Es verhält sich eher so, dass die Angst hinsichtlich des Übergangsprozesses reduziert wird und es wird möglich, den Fokus komplett auf die sportlichen Ziele zu richten (Murphy).

Es stellt sich die Frage stellt sich die Frage, welche konkreten Maßnahmen für die Beratung und Unterstützung ehemaliger Athletinnen und Athleten nach dem Rücktritt vom Leistungssport empfohlen werden können. Es ist festzustellen, dass viele Betroffene in dieser Phase ihres Lebens ein besonderes Bedürfnis nach Zuwendung, Aufmerksamkeit und auch kompetenten Rat haben. Das kann das soziale Umfeld übernehmen, aber auch professionelle sportpsychologische Betreuung kann hier hilfreich sein. In diesem Zusammenhang bietet sich auch Mentoring an, sei es durch früher selbst Betroffene oder aber professionelle Helfer wie Sportpsychologen. Unter Mentoring ist dabei die Beratung und Unterstützung durch eine kompetente Person (Mentor) während des Transitionsprozesses zu verstehen. Entscheidend ist, dass es eine Vertrauensbeziehung gibt, durch die der Mentor bzw. die Mentorin den Schützling beraten, unterstützen und führen kann. Weitere Optionen individueller Beratung und Unterstützung können sich durch gesprächstherapeutische Ansätze ergeben, die es ermöglichen, Ängste und Sorgen, die sich aus dem Nachdenken über das Karriereende ergeben, auszusprechen und zu durchleben oder Reaktionen auf bedrohlich wirkende Veränderungen der Identität, des Freundeskreises und des gesamten Lebensumfelds zu besprechen. (Alfermann & Stoll)

In Sportsystemen sind bei der Betreuung ehemaliger Athletinnen und Athleten nach der Karriere deutliche Defizite festzustellen. Das wurde bereits in den 1990er Jahren kritisiert, ohne dass es bis heute zu grundsätzlichen Änderungen gekommen ist. Dabei wäre bei der fehlenden Adressenpflege der Ehemaligen ebenso anzusetzen wie bei der insgesamt mangelnden Betreuung. Diesbezüglich wäre es wichtig, auch nach der Karrierebeendigung Anlaufstellen bereitzuhalten (z.B. sportpsychologische Betreuung an den Olympiastützpunkten) und die Athletinnen und Athleten nicht fallen zu lassen „wie eine heiße Kartoffel“. Zu bedenken ist jedoch, dass ein verbessertes Betreuungssystem in erster Linie Kaderathleten und -athletinnen zugutekommt. Wer schon zuvor aufhört, also zum Drop-out wird, oder nicht bis zur Kaderzugehörigkeit kommt, ist auch dann auf die soziale Unterstützung durch das private Umfeld angewiesen. Wie das Karriereende verarbeitet und die Nachkarriere gestaltet wird, ist für Drop-outs und im Sport weniger Erfolgreiche kaum erforscht, sodass ihr Schicksal meist im Dunkeln bleibt. Klar ist, dass sie sich im Nachhinein kaum im Glanz ihrer Erfolge sonnen können, sodass die Bilanz hier möglicherweise negativer ausfällt als bei erfolgreichen Athletinnen und Athleten. Genauere Erkenntnisse für diese Gruppe der hoch engagierten, aber weniger erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler wären wünschenswert (Alfermann & Stoll).

Um Sportler und Sportlerinnen optimal auf das nachsportliche Leben vorzubereiten hat die Aviga AG das Career Transition Programm entwickelt. Im dritten und abschliessenden Teil zeigen wir Ihnen auf, in welchen Bereichen das Career Transition Programm die Athleten unterstützen und begleiten kann.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Thema oder befassen Sie sich derzeit damit, wie es nach Ihrer sportlichen Karriere weitergehen soll? Wenden Sie sich hierzu gerne an unseren Experten Dino Lauber.

Ihre Ansprechperson:
Dino Lauber
Consultant
dino.lauber@aviga.ch
044 275 56 19